Reisebericht Schottland - Teil 1 (DEU)


In unserem heutigen Blog geht es um Reiseberichte. Wir glauben, es sei nun angemessen die Eindrücke von unseren Kunden einmal weiter zu geben. Die Emotionen, Gefühle und auch Vergleiche die unsere deutschen Kunden uns mitteilen sind uns sehr wichtig, denn Nachhaltigkeit ist eines unserer Hauptaugenmerke. Des Weiteren freuen wir uns natürlich auch wenn wir die Erlebnisse an Mitmenschen weiter geben können die sich noch unschlüssig über einen Schottlandurlaub sind. Daher starten wir heute eine Berichtserie von unseren Gästen, wobei wir mit dem ersten direkt erwähnen wollen das dieser es sogar bis in die Presse geschafft hat. Viel Spass beim lesen!

Von Whisky, Kilts und Dudelsäcken

Eine gewisse Affinität zu Schottland können die Menschen im Rheinland nicht verheimlichen, sind doch die Hymne des FC Köln von den Höhnern und auch „Du bes die Stadt“ von den Bläck Föss ursprünglich schottische Volkslieder. Wir haben uns einige Tage von Whisky, Kilt, Nessi und Dudelsäcken inspirieren lassen. Herausgekommen ist ein buntes Potpourri interessanter Lebensumstände der Menschen im hohen Norden der britischen Insel.


Menschengeschichte: Das geheimnisvolle Urvolk, die Pikten – übersetzt: die Bemalten - waren Kelten, die vor knapp dreitausend Jahren vermutlich aus Gallien, dem heutigen Frankreich nach Irland und in den Norden der britischen Insel einwanderten. Die Römer gaben ihnen diesen Namen, da viele von ihnen tätowiert waren. Der römische Geschichtsschreiber Tacitus nannte das Land Kaledonien. Schon damals ist es der perfekten römischen Kriegsmaschine nicht gelungen, die stolzen Pikten zu unterwerfen. Später versuchten es die Angeln und Sachsen. Ebenso nur mit vorübergehendem Erfolg. Der Jahrhunderte währende Freiheitskampf hat die sehr stolzen aber auch sehr freundlichen Schotten geprägt. Die Bewohner des kleinen Landes waren überwiegend Bauern. Zäh und abgehärtet durch den Überlebenskampf mit der kargen Natur. Sie hatten sich in Clans organisiert, die sich oft gegenseitig bekämpften und deren Chefs nur schwer auf eine einheitliche Linie zu bringen waren. Parallelen zu anderen Völkern, wie zum Beispiel die Häuptlingskultur der Ostfriesen sind erkennbar. Der Film Braveheart schildert die Geschichte vom Sieg gegen die Briten mit ihrem bekanntesten Freiheitshelden William Wallace sehr eindrucksvoll. England hat immer wieder versucht, seine kolonialen Machtansprüche durchzusetzen. Seit 1707 gehört Schottland zum Königreich Großbritannien. Dennoch versuchen die stolzen Schotten immer wieder ihren autonomen Status zurückzuerlangen. Der Krieg gegen die Engländer wird zwar nur noch mit Worten geführt aber vergessen ist nichts. Zuletzt in einem Referendum in diesem Frühjahr, das allerdings keine Unabhängigkeit brachte. Ihre Sprache, eine Mischung aus Gälisch und Englisch, ist mit deutschem Schulenglisch nicht leicht zu verstehen.

Wetter: Man kann an einem Tag alle vier Jahreszeiten erleben. Gottseidank war uns das Wetter gnädig und wir hatten fast durchgehend Sonnenschein allerdings mit einigen enorm schnellen Wetterwechseln.


Essen: Fish and Chips gibt es überall und die Meeresnähe garantiert stets eine leckere, frische Mahlzeit. Das schottische Nationalgericht heißt Haggis, eine Art Hafergrütze. Ich esse sie, ohne vorher zu fragen, was drin ist. Und das ist auch gut so. Haggis schmeckt sehr würzig und lecker. Man glaubt es nicht, aber von dem „hafergrützigen“ Gemisch kann man süchtig werden. Besonders zum typischen „Scotland Breakfast“ zusammen mit Spiegeleiern, Bohnen und Speck gehört Haggis unbedingt dazu. Haggis besteht aus dem Magen eines Schafes, der mit Herz, Leber, Lunge sowie Nierenfett, Zwiebeln und Hafermehl gefüllt und mit Pfeffer scharf gewürzt wird.

Jurassic Park: Wie ist das denn nun wirklich mit dem Ungeheuer von Loch Ness? Zugegeben, wenn man an dem langen schmalen See steht, beschleicht einen ein kleines Gefühl von Unwirklichkeit. Mit seinen 37 Kilometern Länge und einer Breite von zirka eineinhalb Kilometern ist er der zweitgrößte See Schottlands. Und tief ist er! 230 Meter. So ranken sich eine Fülle von Geschichten um das Gewässer. Bereits 565 vertrieb ein Mönch angeblich ein Wasserungeheuer. 1882 erzählte man sich von einem riesigen Fisch. 1916 hat ein „Ungeheuer“ einen Wildhüter in einem kleinen Boot auf dem See fast zu Tode erschreckt. 1933 ein walfischähnliches Tier. Es geht weiter: 1965, 1973, 1979 gibt es immer wieder die unterschiedlichsten Berichte und auch Fotos von Nessie. Wirklich ehrenwerte Wissenschaftler haben sich an dem Thema versucht. Die meisten sprechen von einem Plesiosaurier, der hier überlebt haben könnte. Aber so lange? Natürlich haben auch Betrüger gefälschte Fotos in Umlauf gebracht. Im Nessie-Informationszentrum am See bewertet man alle bekannten Geschichten und Berichte. Zwischen den Zeilen haben die Geschichten vom Ungeheuer allerdings auch einiges mit Alkohol zu tun. Beim Rausgehen bleibt allerdings im Hintergrund das Gefühl, dass es Nessie doch gibt.

Autofahren - Warum links? Noch im 18. Jahrhundert fuhren alle Pferdegespanne und Reiter in ganz Europa links. Die Mehrheit der Reiter stieg immer von links auf - wenn sie Rechtshänder waren. Deshalb befanden sich auch die sogenannten „mounting stones“ ebenfalls auf der linken Seite, um kleineren Reitern das Aufsteigen auf das Pferd zu erleichtern. Eine weitere Theorie besagt, dass dadurch, dass in England die Pferde prinzipiell hintereinander und nicht nebeneinander eingespannt wurden, der Kutscher mit links lenkte und dementsprechend auf der rechten Seite saß. Auch die Haltung der Waffen der Ritter spielte eine große Rolle. Da die meisten Menschen Rechtshänder waren, führten sie das Pferd mit links. Sie mussten also auf der linken Seite reiten, um rechts die Hand freizuhaben. Heute fahren von insgesamt 221 Staaten weltweit noch 59 Staaten links. Dabei handelt es sich vorwiegend um frühere britische Kolonien. Die Umstellung auf den Rechtverkehr ist durch Napoleon verfügt worden und überall dort, wo er gesiegt hatte auch nach seinem Abzug geblieben. Trotz allem, Linksfahren ist besonders im Kreisverkehr anfangs immer wieder eine Herausforderung.


Highlands: Mit dem Auto fahren wir die einspurigen Straßen durch die Highlands. Sehr sanfte steinige Berge, die kaum bewaldet sind. Sehr lange Zeit haben die Briten die Wälder zum Bau ihrer ungeheuer großen Flotte über Jahrhunderte abgeholzt. Viele Bäche plätschern durch die langen Täler. Eine liebliche Landschaft, belegt mit einem fast durchgehenden, grünen Belag aus saftigem Gras, auf dem Schafe und die typischen braunen Rinder grasen.

Dudelsack oder „Pipes and Drums“: Wir hatten die große Chance die diesjährigen Landesmeisterschaften der Pipe Bands zu besuchen. Ein großartiges Erlebnis. 66 Bands mit insgesamt über 3.000 Spielern kämpften einen ganzen sonnigen Tag lang um die schottische Meisterschaft. Dabei wurden hauptsächlich die Synchronität von Musik und Bewegung bewertet. Zum Schluss spielten 1.500 Dudelsäcke die inoffizielle Nationalhymne „Scotland the Brave“ und das war dann Gänsehaut pur! Den Dudelsack gab es schon vor Jahrtausenden und er ist auch keine schottische Erfindung. Dennoch ist er weltweit ein synonym für Schottland. Er entsprach stets dem kriegerischen Geist der Bewohner und reflektierte ihre Kampfeslust gegenüber ihren Gegnern im Feld.


Whisky: So wird er hier gemacht. Gerste wird angefeuchtet und man lässt sie etwa fünf Tage keimen. So wird aus der Stärke Zucker. Um den Prozess zu stoppen, wird die aufgekeimte Gerste über dem Feuer, dem auch etwas Torf aus der Region beifügt ist, getrocknet. Das regionale Wasser und der Rauch des Torfsprägen den einzigartigen regionalen Geschmack der Gerste. Das fertige Malz, wie es jetzt heißt wird gemahlen und mit heißem Wasser im Bottich vermischt, um den Zucker und die Geschmacksstoffe aus dem Malz zu lösen. Danach werden der Zuckerlösung Hefebakterien zugefügt, die den Zucker in Alkohol umwandeln. Es entsteht ein Bier mit acht bis neun Prozent Alkohol. Der Alkohol aus diesem Bier wird dann in großen kupfernen Birnen destilliert. Bei 78 Grad Celsius fängt der Alkohol vor dem Wasser an zu sieden und wird in angeschlossenen Kupfernen Schlangen abgekühlt. Mehrere Brennvorgänge erhöhen den Alkoholgehalt, verringern aber auch die geschmacklichen Komponenten. Den eigentlich typischen Geschmack erhält der Single Malt Whisky aber erst in der Fasslagerung. Laut Gesetz muss schottischer Whisky immer mindestens drei Jahre im Fass reifen. Die Herkunft der Fässer ist wesentlich für den späteren Geschmack wichtig. Meistens werden amerikanische Fässer aus Weißeiche, in dem schon mal Bourbon Whiskey reifte, verwendet.


Heute experimentiert man aber auch viel mit verschiedensten Weinfässern aus aller Welt.Natürlich haben wir es uns auch nicht nehmen lassen, den ehemaligen Rommersdorfer Pierre Kruff zu besuchen, der seit drei Jahren erfolgreich eine Eventagentur namens Rock Ya Events Group nördlich von Edinburgh betreibt. Ihm gilt unser ganz besonderer Dank, denn durch seine zeitweise Begleitung mit ihm als „Einheimischen“ waren uns so manche tieferen Einblicke in Land und Leute überhaupt erst möglich.

Ach ja, und was tragen die Schotten unter dem Kilt? Auch das konnten wir klären. Es gibt keine festen Regeln. Jeder kann drunter anziehen, was er will. Jemand erklärte es uns folgendermaßen: „Wenn Sie den Kilt zum Beispiel aus beruflichen Gründen täglich tragen müssen, tragen sie sehr wahrscheinlich Unterhosen. Wer ihn aber nur von Zeit zu Zeit trägt, genießt häufig die Freiheit eines lauen Lüftchens unter dem Schottenrock.“ Na denn Slàinte Mhath. Das ist gälisch und heißt „Gute Gesundheit“ oder auch Prost.

Autor: Peter Hurrelmann